Alte Kastenfenster - besser als ihr Ruf!

Der Wärmedämmwert eines Kastenfensters beinahe gleich auf mit einem modernen Thermofenster

An der HTBLA Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut wurde das thermische Verhalten eines Kastenfensters gemessen. Die Doppelfensterkonstruktion aus dem frühen 20. Jahrhundert wurde messtechnisch über die Monate Oktober und November überwacht. Dabei wurden Lufttemperaturen, Oberflächentemperaturen beider Seiten, sowie das Klima im Scheibenzwischenraum gemessen und aufgezeichnet. Mit diesen Messwerten konnte der sogenannte U-Wert rückgerechnet werden. Der U-Wert gibt den Widerstand des Wärmedurchgangs an. Er ist somit ein Wert für die Qualität der Wärmedämmung. Je niedriger desto besser. 

 

Das überraschende Ergebnis der Messreihe ergab: Das Kastenfenster ist thermisch besser als sein Ruf. Der U-Wert der untersuchten Konstruktion lag bei 1,1 W/m2K. Dies ist deutlich besser als die in historischen bzw. bauphysikalischen Tabellenwerken angegebenen Default-Werte. Diese liegen zwischen 2,2 und 2,5 W/m2K.

 

Fazit: Gut erhaltene Kastenfenster sind nicht nur besonders architektonisch wertvolle Bauteile die erhaltenswert sind, sondern bieten bei fachgerechter Sanierung auch einen ausreichenden Wärmeschutz. 

 

Quelle: Zeitschrift Bauphysik, April 2017, S. 144 bis 147, ISSN 0171-5445


Was ist ein Kastenfenster?

Kastenfenster sind Doppelfenster die von Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingebaut wurden. Das Kastenfenster besteht aus einem Außen- und einem Innenflügel. Zwischen den Flügeln weist dieses einen Luftpolster von mehr als 20cm auf. Bei modernen Thermofenstern liegt der Scheibenabstand im Zentimeterbereich und ist mit Gas gefüllt. Dies soll einen geringeren Wärmedurchgang gewährleisten.

Grazer Stock versus Wiener Stock

Der Grazer Stock unterscheidet sich vom Wiener Stock durch die unterschiedliche Öffenbarkeit der Flügel. Beim Grazer Stock öffnet der äußere Flügel nach außen, beim Wiener Stock nach innen. Im Sommer konnte genialerweise der äußere Flügel gegen Holzbalken getauscht werden. Dies sorgte für eine ausreichende Beschattung und kühle Raumtemperaturen.



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